#Denkmal

Englandfahrer und Das Englandspiel

Schätzungsweise 1.800 niederländische Bürger, die sogenannten „Engelandvaarders“, versuchten während des Zweiten Weltkriegs, nach England zu fliehen. Einige fielen dem „Englandspiel“ zum Opfer, bei dem alliierte Geheimagenten, die aus England in die Niederlande zurückkehrten, verraten, gefangen genommen und gezwungen wurden, den Kontakt zu England aufrechtzuerhalten – allerdings mittels Nachrichten, die von den Deutschen verfasst worden waren.

Schätzungsweise 1.800 niederländische Staatsbürger versuchten während des Zweiten Weltkriegs, nach England zu fliehen. Die Mehrheit entschied sich für eine Route über Nachbarländer, während eine Minderheit direkt über die Nordsee reiste. Es wurden viele verschiedene Schiffe eingesetzt, und mindestens 204 Menschen schafften die Überfahrt erfolgreich. Die meisten Versuche fanden 1941 statt, als die niederländische Küste noch relativ gut zugänglich war. Eine Überfahrt von Scheveningen aus fand am 16. März 1941 statt: Sieben junge Fischer aus Scheveningen reisten auf dem Krabbenkutter „Anna KW 96“ nach England. Alle traten anschließend in die Königlich-Niederländische Marine ein und überlebten den Krieg.

Vier Engelandvaarders (Erik Hazelhoff Roelfzema, Chris Krediet, Peter Tazalaar und Bob van der Stok) gründeten „Contact Holland“, um den Kontakt zwischen London und dem niederländischen Widerstand zu verbessern. Zuverlässige Funkverbindungen waren entscheidend. Niederländer, die zuvor als Engelandvaarders die Nordsee überquert hatten, wurden zu Geheimagenten ausgebildet, bereit, mit Anweisungen und Morsecode-Ausrüstung in die Niederlande zurückzukehren. Diese Geheimagenten mussten dann zusammen mit Funkgeräten an der Küste von Scheveningen abgesetzt werden.

Hazelhoff Roelfzema, Krediet und Tazelaar führten im Winter 1941/42 zwei Landungen vor der Küste von Scheveningen durch. Im Frühjahr 1942 wurden mehrere Agenten verhaftet; Anton van der Waals, der bedeutendste niederländische Verräter im Zweiten Weltkrieg, spielte dabei eine wichtige Rolle. Die alliierten Geheimagenten wurden gefangen genommen und gezwungen, weiterhin mit England zu kommunizieren, jedoch über von den Deutschen verfasste Nachrichten. Dies war der Beginn des Englandspiels.

Da die Briten nicht ahnten, dass die Agenten ihre Nachrichten aus den Fängen des Feindes verschickten, schickten sie weiterhin Geheimagenten auf den Kontinent. Bei ihrer Ankunft in den Niederlanden wurden sie sofort von den Deutschen gefangen genommen. Am Ende des Krieges wurden die meisten Geheimagenten aus den Niederlanden deportiert; 54 überlebten das Englandspiel nicht.

In Den Haag gibt es zwei Gedenktafeln, die dem Englandspiel gewidmet sind. Eine davon befindet sich am Binnenhof, die andere am Rande der Scheveningse Bosjes.

Photos