Antonius Johannes Maria "Tonnie" van Liempd wurde 1906 in Schijndel, in der niederländischen Provinz Brabant, geboren. Schon in jungen Jahren faszinierten ihn Flugzeuge. 1930 trat er der Militärreserve bei, um eine Pilotenausbildung zu absolvieren. Im März 1932 wurde er zum Flieger-Feldwebel ernannt. Als die Niederlande Anfang Mai 1940 überfallen wurden, war van Liempd auf dem Flugplatz Ruigenhoek in Noordwijkerhout stationiert. Am 10. Mai führte er Aufklärungsflüge über die Flugplätze der Ortschaften Schiphol und Valkenburg durch, am 11. Mai über Arnheim und Ede.
Am 12. Mai meldete sich Tonnie van Liempd freiwillig für einen gefährlichen Einsatz: die Bombardierung deutscher Stellungen zwischen Rhenen und Wageningen ohne Begleitschutz durch Jagdflugzeuge. Die Operation sollte die Soldaten des 8. Infanterieregiments bei der Verteidigung des Grebbebergs unterstützen. Drei Fokker CVs hoben am frühen Abend ab, darunter van Liempd mit dem Beobachter Vrins. Auf dem Weg zum Grebbeberg wurden sie beschossen, konnten jedoch ungebeutet weiterfliegen. In der Nähe der Grebbe-Linie wurden sie plötzlich von deutschen Jagdflugzeugen umzingelt.
Van Liempds Fokker CV 619 wurde beschädigt und landete in den Auen von Wageningen hinter den deutschen Linien. Der Flieger-Feldwebel stieg mit erhobenen Armen aus, wurde jedoch von deutschen Soldaten, die sich dem Flugzeug näherten, erschossen. Leutnant Theo Vrins geriet in Kriegsgefangenschaft. Nach der Kapitulation der deutschen Truppen war nichts über Tonnies Schicksal bekannt, bis seine Ehefrau Joke am 17. Mai 1940 ein Telegramm erhielt, in dem stand: „Hier ist alles in Ordnung.“ Die Erleichterung war riesig. Später stellte sich heraus, dass das Telegramm noch gesendet worden war, bevor Tonnie am 12. Mai 1940 zu seinem letzten Flug aufbrach. Tonnie van Liempd war zu dem Zeitpunkt 34 Jahre alt.
Am 14. Mai nahm ein deutscher Dolmetscher Tonnies Brieftasche an sich, die Fotos und einen Siegelring enthielt; sie gelangte später in die Hände seiner Frau. In einem Begleitbrief zu den Gegenständen schrieb der deutsche Dolmetscher, dass er den Mut des Feindes respektiere und dass Tonnies Frau und Tochter stolz auf ihn sein könnten. Tonnies Leichnam wurde am 17. Mai in die Verbandsstation Mariahoeve gebracht. Lange Zeit blieb unklar, was danach geschah. Im August 1940 stellte sich jedoch heraus, dass er auf dem Grebbeberg als unbekannter Soldat mit dem Vermerk „Flieger-Feldwebel“ beigesetzt worden war. Das Rote Kreuz bestätigte später offiziell seine Identität.
Im Jahr 1941 wurde Tonnie zunächst für den Militär-Wilhelms-Orden vorgeschlagen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde ihm für den von ihm bewiesenen Mut posthum der Bronzene Löwe verliehen. Die Auszeichnung wurde 1946 auf dem Grebbeberg von Prinz Bernhard und Prinzessin Juliana an seine Witwe Joke und ihre gemeinsame Tochter Marianne überreicht. Tonnie van Liempd ist auf dem Militär-Ehrenfriedhof Grebbeberg (Reihe 4-45) in Rhenen beigesetzt, als einziger Flieger-Feldwebel unter den Soldaten des 8. Infanterieregimentskorps, die er zu schützen versucht hatte.