Die Familie Voss war Teil der kleinen jüdischen Gemeinde in der Stadt Würselen und betrieb eine Metzgerei. Vater Jakob war vier Jahre lang Soldat im Ersten Weltkrieg. 1938 musste die Familie das Geschäft aufgrund des politischen Drucks durch die Nationalsozialisten schließen. Die Familie Fabry erwarb das Haus mit Geschäft, der neue Besitzer erinnerte sich: “Ich war Angestellter in der Metzgerei Voss. Als das Haus und das Geschäft arisiert werden sollten, kaufte ich beides zum niedrigen offiziellen Preis. Heimlich bezahlte ich der Familie den richtigen Wert.” Durch Kontaktaufnahme zu den Voss-Söhnen in den USA wurde diese Geschichte bestätigt.
Anfangs glaubten die Eheleute Voss, als gute Deutsche würde ihnen unter dem neuen Regime nichts passieren. Sie wurden jedoch 1941 in das Lager der Haarener Hergelsmühle verschleppt, über die Zwangsunterkunft in Eschweiler nach Theresienstadt und schließlich nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihr Tod wird mit der Zeit nach dem 15. Oktober 1944 datiert. Anläßlich eines offiziellen Besuchs in Auschwitz widmete Martin Schulz, der damalige Präsident des Europäischen Parlamentes 2013 seinen Eintrag ins Gästebuch den ermordeten Menschen seiner Heimatstadt und besonders den Eheleuten Voss.
Der jüngste Sohn, Ernst Voss, war ein guter Fußballer und spielte bis 1933, als jüdische Sportlerinnen und Sportler die Vereine verlassen mussten, bei Rhenania Würselen. Er flüchtete 1937 auf einem Schiff von Hamburg nach Kolumbien und gelangte 1940 von dort in die USA. Als Deutschsprachiger war er für die US-Armee von großem Nutzen und wurde im Nachrichtendienst eingesetzt. So kam er nach der Befreiung der Stadt zurück in seine Heimatstadt Würselen. Eine Zeitzeugin schildert die erste Begegnung: „Panzer fuhren auf den Marktplatz vor St. Sebastian. Unter den ersten Amerikanern auf dem Marktplatz war ein junger Captain. Er sagte, dass er uns kenne, er sei Würselener, der jüngste Sohn des Metzgers Voss aus der Wilhelmstraße um die Ecke. Er kannte uns alle wieder.“
Alle drei Söhne der Familie, Rudolf, Friedrich und Ernst überlebten die Shoah und fanden später in den USA wieder zusammen. Die tragische Geschichte der Familie Voss ist in dem Buch “Far Away from Würselen” (2013) von Iris Gedig und Stefan Kahlen ausführlich dokumentiert.